
Quelle: http://www.awo4104.ch/images/gdevers0461480px_480.jpg
Heute war ich wiedermal an einer Gemeindeversammlung und erlebte direkte Demokratie live!
Eigentlich war ich mir nicht so sicher, ob ich gehen sollte. Nicht weil ich solche Versammlungen etwa meiden würde. Nein, dies ganz sicher nicht. Im Gegenteil. Aber die Traktanden waren alles andere als verlockend: Budget 08, Bewilligung eines Kredits zur Sanierung von Leitungen in zwei Quartierstrassen und Verschiedenes. Toll. Langweilig.
Gegangen bin ich dann trotzdem. Irgend ein Ur-Dorf-Politischer Erreger tief in mir drin hat sich gemeldet: "da geht man einfach hin, wenn man kann!" oder auch "da geht man auch wegen der Leute, den Freunden und Feinden, dem (politischen) Netzwerk wegen!"
Und dann war noch ein Auto frei (darf ich als SP-Politikerin überhaupt sagen, wie Velofahr-faul ich bin?) und der Vater kommt auch. Grossvater wollte auch kommen. War aber dann trotzdem nicht da. Aber alle anderen, die auch sonst da waren. Eben halt immer die gleichen. Die, zu denen ich auch langsam gehöre. Die, die wissen wollen was im Dorf läuft.
Da sitzen einige, die die Dorfgeschichte bedeutend mitgeprägt haben. Und von den wenigsten weiss ich viel. Schade eigentlich. Wenn ich zum Beispiel weiss, dass da unter den vielen älteren und jüngeren Mannlis und Frauen ein alt Regierungs- und alt Nationalrat sitzt, da würde es mich schon auch wunder nehmen, was viele der anderen für Geschichten und Ämter und politische Erfahrung hinter sich haben. Was ich weiss ist, dass einige darunter sind, die viel Zeit und Engagement in ihre Ämter als Gemeinde oder Burgerräte oder Kommissionsmitglieder gesteckt haben.
So oder so, man merkts, war ich mehr wegen der Leute dort.
Ein paar Gedanken doch noch zur Institution "Gemeindeversammlung":
Da wird über Geschäfte abgestimmt und die Abstimmung ist gültig, obwohl nicht einmal 100 der 2'652 im Dorf Stimmberechtigten anwesend sind.
Soviel zu unserer Entscheidung der Mehrheit der kleinen Minderheit, die sich stolz direkte Demokratie nennt.
Warum nicht weniger direkt und dafür mehr Mehrheit und mehr Minderheit, sprich mehr von überhaupt "...heit"?
Eben, wegen der Leute.
Da sehe ich immer die Herren Räte vorne schön aufgereiht auf der Bühne sitzen und denke mir, dass es so immer gewesen war. Mit "Herren Räte" meine ich gestandene Männer. Nur.
Natürlich war dies nicht immer so. Auch bei uns hat man gemerkt, dass 1971 das Frauenstimmrecht eingeführt wurde. Und es war nicht nur eine vereinzelte Emanze, die sich in die Politik verirrt hatte, nein, ich weiss von mindestens zwei Frauen im Gemeinderat, eine davon war sogar einige Jahre Gemeindepräsidentin. Und dann war sie nicht mal links. Nein, eine SVP-lerin. Die andere hingegen war schon links. Eine Rote mit grünem Herz, wie sie sich selber beschreibt. Eine beeindruckende Kämpferin für das Dorf, die Natur und Umwelt und für ihre anderen Anliegen. Jaja, die Käthe, die gefällt mir. Aber ich schweife vom Thema ab.
Eben, nur Männer, und mindestens 40 jährig. Immernoch versuche ich die emanzipierten Kräfte in mir zu unterdrücken. Männer können auch meine Meinung vertreten. Natürlich. Und wenn Frauen nicht gewählt wurden, will das Volk halt keine. Tja. Ups, waren ja kaum welche auf den Listen. Bei den Bürgerlichen gar keine. Bei uns 2. Ich natürlich. Und die Präsidentin. Ja dann wollten es die Frauen gar nicht. Sie hätten gar keine Chancen gehabt. Wegen den Bisherigen, nicht wegen dem Geschlecht. Die trauen sich vielleicht ja gar nicht zu, Gemeinderätinnen zu werden. Sonst wären sie ja auf der Liste.
Egal. Ende meines Gedankenspiels. Mich störts. Bei einem Frauenanteil von über 50% in der Bevölkerung sind 0 Frauen im 7 köpfigen Gemeinderat eine schlechte Bilanz. Egal wieso und weshalb. Ich sags den Leuten dann vor den nächsten Wahlen! Ob sie auf mich hören? Wohl kaum! Egal. Ich versuchs tortzdem. Eben, der Dorf-Polit-Erreger sagts.