Auf meinen letzten Beitrag hat mir ein Alexander Müller folgenden Kommentar geschrieben:
"(...)Bezüglich Waffengesetz und Armeewaffen zu hause: Die Schweiz ist NOCH ein demokratisches und im Vergleich zum europäischen Umland sehr liberales, freiheitlich orientiertes Land. Es ist traditionelles Recht der freien Schweizer Bürger eine Waffe zu besitzen. Die Armeewaffeninitiative der GSoA will uns freien Schweizern dieses Recht nehmen.
Und zwar zu unrecht! Es gibt in Schweizer Haushalten 2,2 Mio. Feuerwaffen!
535000 davon sind Armeewaffen. In den Jahren 2000-2004 gab es 213 Tötungsdelikte. 36% davon erfolgten mit STICHWAFFEN und nur 34% also weniger mit Schusswaffen. Von diesen 34% wiederum sind gemäss Schätzungen nur ca. 20% mit Armeewaffen verübt worden. 34% von durchschnittlich 213 Tötungsdelikten pro Jahr machen rund 72 Tötungsdelikte aus, die mit Feuerwaffen verübt worden sind. Das heisst, dass nur rund 14 Tötungsdelikte mit Armeewaffen verübt wurden. 14 von 535'000 sind 1/38 von einem lächerlichen Promille. Es kommt also bei einem achtundreissigstel eines Promilles aller Armeewaffen zu missbrauch. Wahrlich, angesichts derartig hoher Zahlen ist Handlungsbedarf dringend angesagt....ironisch gemeint.
Den GSoA-Initianten geht es nur um eines, sie wollen die Armee in Raten abschaffen. Unsinnig zu meinen, dass die Schweiz wesentlich sicherer würde wenn man nun die grosse Mehrheit aller anständigen Soldaten (mindestens 535'985) wegen maximal 15 mit Armeewaffen verübten Tötungsdelikten (müssen nicht unbedingt 15 Täter und 15 Armeewaffen sein, sind einfach 15 Opfer) bestraft indem man ihnen die Waffe wegnimmt.
Auch aus umweltschutzgründen ist die Lagerung im Zeughaus abzulehnen. Es gibt mehr Gemeinden mit Schützenhaus als Zeughäuser. Soll man nun jedesmal mit dem Auto stundenlang zum nächsten Zeughaus fahren bevor man in seiner Wohngemeinde das Obligatorische schiessen kann???? Also statt mit dem Velo zum Schiesstand erst mit dem Auto zum weit entfernten Zeughaus????
Ich wäre froh, wenn auch SP-Leute einmal wissenschaftlich denken würden und sich nicht immmer nur in billigster Schlagwort-Polemik üben würden.
Freundliche Grüsse
Alexander Müller"
Meine Antwort möchte ich der geschätzten Leserschaft als neuen Denkanstoss nicht vorenthalten:
"(...)Zum Thema Waffen. Ich habe in meinem Beitrag nicht über die Initiative, die die Waffen im Zeughaus lagern will, diskutiert.
Ich habe lediglich die Gleichsetzung von Waffen und Freiheit, wie dies in der amerikanischen Gesellschaft vertreten wird (wie so viele andere hirnlosen Sachen in der amerikanischen Politik!), sehr hinterfragt!
Aber ich kann die Waffen-ins-Zeughaus-Diskussion gerne nachholen und Ihnen in Sachen Initiativen zu mehr Klarheit verhelfen.
SP ist nicht gleich GSoA!
GSoA-Initiative: Volksinitiative für ein Verbot von Kriegsmaterial-Exporten!
Sprich: mehr Neutralität, da wir uns nicht mehr in Konflikte einmischen. Und Friedensförderung. Denn ohne Waffen weniger Krieg.
SP-Initiative: Eidgenössische Volksinitiative "Für den Schutz vor Waffengewalt"
Sprich: Befreiung von verstaubten Traditionen (denn der rote Feind zieht nicht mehr!). Weniger Waffen, weniger Gefahr, weniger Tote.
Die SP macht das vorallem weil sich wirklich viele Frauen von diesen Waffen bedroht fühlen. Es gibt mehr Männer als sie denken, die ihre Ordonanzwaffe als Machtsymbol und Druckmittel verwenden! Da gibt es dann keine Zahlen in Ihren lieben Statisitken, da dies kaum Angezeigt wird (weil nicht nachweisbar). Und auch Ihre nachweisbar niedrige Zahl an Toten durch Armeewaffen beeindruckt mich nicht. Erstens vergessen sie die Selbstmorde, die einen beachtlichen Teil ausmachen und wo aufgrund der europäischen Statistiken, in welcher die Schweiz obenauf schwimmt, Handlungsbedarf besteht. Und zweitens ist JEDER und JEDE Tote eine/r zuviel. Sagen die doch mal Hinterbliebenen sie seien ein lächerliches Promille!
Was sie auch nicht ansprechen ist, dass in Haushalten oft Kinder spielen und früher oder später auf Waffen treffen. Tolles Spielzeug, nicht?
Zum "Obligatorischen": Ich gehe davon aus, dass die meisten Wehrpflichtigen SchweizerInnen (wie auch ich) jährlich einen Wiederholungskurs machen. Kein grosser Aufwand also, die alljähriche Schiesswiederholung in den WK einzubauen. Wo bleibt das Problem? Keine Fahrten zu Zeughäusern, kein Ökoproblem.
Und dann muss ich Ihnen einfach aus persönlicher Erfahrung, und ich wage zu behaupten, dass ich öfter mit jungen Menschen zu tun habe als sie, versichern, dass kaum Jemand Lust hat, seine Waffe nach Hause nehemn zu müssen, immer in der Freizeit das obligatorische Programm schiessen zu müssen, die Waffe im Schlafzimmer lagern zu müssen und dann jeden WK wieder mit- und am Ende nach Hause tragen zu müssen! Auch die Leute aus der RS nicht. Und dort findet sich wirklich ein sehr breites Spektrum an Leuten!
Der Zwang Armeewaffen in Haushalten lagern zu müssen, ist nicht mehr zeitgemäss!
Den Soldaten die echte freie Wahl lassen (ohne Bezahlung!) die Waffen in Zeughäusern zu lassen, ist das Minimum für eine FREIE Gesellschaft! Frei = freie Wahl! Zwang zu Waffen im Haushalt ist KEINE FREIE Wahl.
Und keine Angst: die Initiative sieht vor, dass SVP-ler und andere Hobby-Schützen, sowie auch Jäger, auf Gesuch mit Begründung ihre geliebte Waffe weiterhin mit nach Hause nehmen dürfen!"
Dies ist mein persönliches Exemplar von Ordonanzwaffe. Würden Sie sich damit freier fühlen?