2007-08-15

1.August Rede Lotzwil

Von priskagruetter @ 09:11 [ Dorf- und Regionalpolitik ]

Priska Grütter, Bundesfeier Lotzwil 31.7.07

Liebe Schweizerinnen und Schweizer, liebe Angehörige anderer Nationen, liebe Lotzwilerinnen und Lotzwiler, liebe Gäste

Morgen feiert die Schweiz ihren Nationalfeiertag. Und ich wurde eingeladen, hier an eurer um einen Tag vorgezogenen Bundesfeier eine Rede zu halten. So wie man das halt tut an einer Bundesfeier.
Ein Redner oder eine Rednerin wird angefragt und macht sich dann ein paar Wochen oder Tage, oder in meinem Fall wohl eher ein paar Stunden vorher, Gedanken darüber, was man den BesucherInnen der Bundesfeier sagen will.
Ja was wollen Besucherinnen und Besucher einer Bundesfeier hören? Wahrscheinlich etwas über diesen Bund, der gefeiert wird. Wie alt er wird. Und wer er so ist, dieser Bund, der gefeiert wird. Wie bei einem Jubilar eben. Vielleicht darf man diesem Bund auch etwas Wünschen für die Zukunft. Wie einem Geburtstagskind.
Oft laden die Organisatoren eine bestimmte Person als Redner oder Rednerin ein, weil sie ein bestimmtes Thema oder eine bestimmte politische Richtung erwarten.
Hier in Lotzwil wünschte man sich beispielsweise dieses Jahr eine junge, politisch interessierte Person und hat das Jugendparlament angefragt. Vielleicht wollen also die Lotwilerinnen und Lotzwiler wissen, wie eine junge Person über die Schweiz denkt. Und wie jemand, der sich besonders für diesen gefeierten Bund interessiert, sich dessen Zukunft vorstellt.
Solche Gedanken sind mir beim vorbereiten dieser Rede durch den Kopf gegangen und will nun versuchen, all diesen Fragen und Erwartungen gerecht zu werden und mit euch einige Gedanken von mir, einer jungen, politisch interessierten Oberaargauerin, über den Jubilar, den Bund, zu teilen.

„Unser Land ist 120, vielleicht 150 Jahre alt. Alles andere ist Vorgeschichte und hat viel mehr mit unseren Landesgrenzen und wenig mit unserem Land zu tun.“ Schreibt Peter Bichsel, ein Schweizer Schriftsteller, in seinem Buch: „Des Schweizers Schweiz“.
Sie stutzen jetzt vielleicht und fragen sich, wie denn der Herr Bichsel rechnet. Das Datum der Gründung der Eidgenossenschaft lernt man doch bereits in der Schule. Und das Rechnen auch. Und seit 1291 sind doch 716 Jahre vergangen. Jäh, gibt es vielleicht noch ein anderes Datum, das auch was damit zu tun hat? Da war doch noch was mit 1848. Gründung des Bundesstaates. Mit Bundesverfassung und so. Ja gut, aber das wäre dann auch schon 159 Jahre her. Aber auf dieses Datum spielt er wohl schon eher an, der Bichsel. Aber was ist dann mit 1291? Wer sich etwas genauer mit der Geschichte befasst, und das tue ich als Geschichtsstudentin tatsächlich manchmal, der weiss, dass das Datum der gefeierten Geburtsstunde der Eidgenossenschaft sehr umstritten ist. Aber ich will euch hier nicht mit historischen Fakten und Diskussionen langweilen.
Viel wichtiger als das Alter und die Geschichte ist für mich heute Abend, an dieses Bundesfeier, aber das hier und jetzt. Was ist aus diesem geschlossenen Bund, aus dieser besiegelten Eidgenossenschaft geworden? Wie definiert sich heute der 1848 gegründete Bundesstaat? Wie definiert sich unsere Nation neben den 191 anderen Nationen der Erde?
Wir sind ein reiches Land mit hohem Lebensstandart, eine funktionierenden Demokratie mit viel Mitbestimmungsrecht der Bürgerinnen und Bürger. In der Schweiz muss niemand Hunger leiden. Wir haben ein Sozialsystem, dass auch die Schwächsten der Gesellschaft mitträgt. Unsere Wirtschaft funktioniert, wächst und gedeiht. Wir sind freie Bürger, die die Gesetze, an die sich alle zu halten verpflichten, selber mitbestimmen könne. Wir haben einen Staat, der das Gewaltmonopol innehat und für Ruhe und Ordnung sorgt. Wir haben ein funktionierendes Bildungssystem. Alle Kinder können zur Schule gehen. Wir haben keine Bürgerkriege und keine gewalttätigen Konflikte mit anderen Nationen in Aussicht. Uns geht es gut.
Das tönt schon fast ein wenig nach Paradies. Aber sind wir wirklich das perfekte Land? Die unverbesserliche Vorzeigedemokratie? Sind wir wirklich der Staat aller Staaten ohne Probleme und Schwierigkeiten? Und wollen wir denn überhaupt so perfekt, unverbesserlich und unveränderlich sein?
Nein, wir sind ebenso wenig perfekt wie unverbesserlich. Auch unser Staat hat Probleme und Schwierigkeiten. Gerade durch unsere politische Freiheit entstehen oft Meinungsverschiedenheiten über die Vorstellung der Zukunft unseres Staates. Wollen wir eine heimatliche und geschlossene Schweiz sein? Oder eher eine offene, soziale und ökologische Schweiz? Sehen wir unseren Staat als liberalen und wirtschaftsorientierten Staat? Oder setzen wir mehr auf Ethik, Werte und Familien? Soll die Schweiz röter und grüner werden oder wollen wir uns lieber auf Anker und Gotthelf Ideale zurückbesinnen? Wie gehen wir mit den Auswirkungen der Globalisierung und der damit verbundenen Kulturvermischung um? Wie behandeln wir Gäste in unserem Land? Gäste, die auch teilhaben möchten an unserem Paradies. Gäste, die gezwungen waren ihr Land zu verlassen und auf der suche nach einer neuen Heimat sind? Fragen über Fragen. Und es gäbe noch viele mehr hinzu zu fügen.
Die Antworten geben nicht die da oben in Bern. Wir alle können und sollen uns beteiligen.
Dies ist ein grosses Privileg, könnte man meinen. Doch rund zwei Drittel derjenigen, die mit bestimmen und die Leute, die dann im Parlament entscheiden, wählen könnten, interessiert dieses Privileg nicht. Ich frage mich oft, weshalb so wenige an die Urne gehen. Ist diesen zwei Drittel wirklich so egal, wie entschieden wird und wie es in unserem Land weitergehen soll? Schade, dass gerade bei der Diskussion um das Stimmrechtsalter 16 so viele dagegen sind mit dem Argument, dass sich Junge nicht für Politik interessieren und kaum mehr als ein Drittel dieses Recht nutzen würden. Das Jugendparlament setzt sich für das Stimmrechtsalter 16 ein, gerade weil wir wissen, dass es die politisch interessierte Jugend gibt. Und wenn auch nur etwas mehr als ein Drittel dieses Recht nutzen würde, so wäre dies bereits eine höhere Stimmbeteiligung als bei den Erwachsenen.
Sie fragen sich nun vielleicht, weshalb ich hier fast nur über Politik spreche. Wenn ich mir hier zum Nationalfeiertag zur heutigen und zur zukünftigen Schweiz Gedanken mache, so hat dies einiges, ja fast nur mit Politik zu tun. Denn die Politik regelt den Staat, unser Zusammenleben in diesem Staat und somit auch diesen Moment.
Politik geht uns alle an, denn sie betrifft alle Lebensbereiche. Oft wird Politik als langweilig bezeichnet. . Gerade auch von Jugendlichen. Will man eine höhere Stimm- und Wahlbeteiligung erreichen muss man da ansetzen. Politik ist in der Schule nur ein kleiner Teilbereich des Schulfachs Geschichte. Warum gibt es nicht ein eigenes Fach Politik? So denke ich könnte man den Jungen Politik durchaus schmackhaft machen. Und ihnen zeigen, dass eben fast alles im Leben Politik ist. Auch die Öffnungszeiten des Ausgangslokals. Auch ob die Gemeinde eine Badi hat oder nicht. Mir als Jungpolitikerin ist es wichtig zu zeigen, dass Politik spannend ist und dass man in der Politik viel erlebt. Und dass gerade wir Jungen auch etwas zu sagen haben in der Politik. Denn die Politik entscheidet, wohin der Weg unseres Bundesstaates führt. Und die Zukunft dieses Staates ist auch unsere Zukunft. Und ich will mitbestimmen ob die Schweiz heimatlicher und geschlossener oder offener, sozialer und ökologischer wird. Ich will mitbestimmen, ob die Schweiz im Herzen Europas weiterhin das Sonderzüglein fährt oder sich irgendwann in die Europäische Staatengemeinschaft integriert und als Nation dort aktiv mitreden will. Ich will mitkämpfen für mehr Chancengleichheit für Frau und Mann, arm und reich. Ich will mitbestimmen, ob wir ein menschenrechtlich unwürdiges Asyl- und Ausländergesetz haben, oder ob wir unseren humanitären Traditionen treu bleiben. Als Bürgerin will ich Helvetias Kurs mitbestimmen.
Ich glaube, es wäre falsch zu sagen, dass ich stolz bin, Schweizerin zu sein. Denn stolz verbinde ich mit Eigenleistung. Und dass ich hier in diesem Land geboren und aufgewachsen bin, ist reiner Zufall, reines Glück. Aber ich bin dankbar, dass ich hier leben darf. Und diese Dankbarkeit möchte ich zeigen, in dem ich mich aktiv am Leben und am Staat beteilige und das recht zur Mitbestimmung nütze.
Ich wünsche mir für die Schweiz und besonders für die Wahlen im Herbst, dass viele mutige junge Schweizerinnen und Schweizer sich trauen, aktiv in der Politik mit zu bestimmen wohin es gehen soll mit unserem Jubilar, dem Bund. Und ich wünsche mir viele mutige junge und alte Schweizerinnen und Schweizer, welche die mutigen jungen Politiker und Politikerinnen unterstützen.
Und dem Jubilar, dem Bundesstaat Schweiz, wünsche ich Bewohnerinnen und Bewohner, die sich um ihn kümmern und gute Entscheidungen für ihn treffen. Aber eigentlich kann man nicht unterscheiden zwischen dem Bundesstaat und den Bürgerinnen und Bürgern. Denn genauso wie ein deutsche Zeitung nach der Wahl des deutschen Kardinal Joseph Ratzinger zum Papst schrieb „Wir sind Papst“, denke ich, kann man auch sagen „Wir sind Schweiz“. Denn was der Staat ist, wie er sein wird in Zukunft, all seine Entscheidungen, seine Gesundheit und sein Wohlergehen hängt zu einem grossen Teil von uns allen ab.

Nun wünsch ich nicht mehr mir und nicht mehr dem Bund sondern uns allen weiterhin eine schöne, fröhliche aber auch besinnliche Bundesfeier, morgen einen schönen Nationalfeiertag und allen auf ihrem Weg, der heute Abend wieder von hier fort führt, alles Gute.
Danke fürs Zuhören!





2007-08-01

1.August

Von priskagruetter @ 17:32 [ Dorf- und Regionalpolitik ]
uiuiui, da bin ich etwas hinten drein beim bloggen.
WK-Zeit ist durch und bereits haben wir 1.August. Muss noch ein wenig am Text bäschtelen und dann setz ich heir meine 1.August-Rede. die ich bereits gestern in Lotzwil gehalten habe, rein...